Entstehung des Reichswaldes: Geschichte und Entwicklung
Der heutige Reichswald wird erstmals in der Mitte des 14. Jahrhunderts namentlich erwähnt. Zuvor war er als Ketil- oder Ketelwald bekannt – ein Name keltischen Ursprungs, der „großer Wald“ bedeutet. Dieses weitläufige Waldgebiet erstreckte sich einst von Nijmegen bis Xanten und bestand überwiegend aus Buchen- und Eichenwäldern. Zum Ketelwald zählten der Niederwald zwischen Nijmegen und der Maas sowie der östlich anschließende Oberwald, der bis vor Goch reichte. Dessen östlicher Teil wurde auch „der Kelkt“ genannt.
Frühe Besiedlung und menschliche Nutzung
Frühe Spuren menschlicher Aktivitäten sind durch Grabhügel aus der späten Bronze- und frühen Eisenzeit belegt. Über die Jahrhunderte führten Rodungen und zunehmende Besiedlung zu einer stetigen Verkleinerung des einst geschlossenen Waldgebietes.
Bereits in der römischen Zeit war die Region bewohnt. Teile des heutigen Reichswaldes gehören heute zum UNESCO-Welterbe „Niedergermanischer Limes“ und stehen als archäologische Kernzonen unter Schutz.
Mittelalterliche Nutzung und Herrschaft
Nach dem Ende der Völkerwanderung ließen sich fränkische Siedler in der Gegend nieder. Sie nutzten den Wald als Jagdrevier und trieben im Herbst ihr Vieh zur Eichelmast hinein. Im frühen Mittelalter war das Gebiet Teil des Königsguts der Kaiserpfalz Nijmegen. Hier kam im Jahr 980 Kaiser Otto III. zur Welt.
Spätestens gegen Ende des 12. Jahrhunderts gingen Teile des Waldes in den Besitz der Grafschaft Kleve über. Durch verschiedene Verpfändungen und Grenzstreitigkeiten wechselten im Laufe der Zeit einzelne Waldabschnitte zwischen den Grafen von Kleve und Geldern. In diesem Zusammenhang taucht erstmals der Name „Reichswald“ auf – urkundlich 1330 als „silva imperialis“, was „kaiserlicher Wald“ bedeutet.
Auch im 13. Jahrhundert kam es immer wieder zu Auseinandersetzungen über die Nutzung der Waldflächen. Diese wurden 1257 und 1266 vom Bischof Heinrich von Vianden zwischen den Grafen von Geldern und Kleve geschlichtet. 1283 verzichtete Graf Rainald I. von Geldern schließlich auf seine Ansprüche an den klevischen Teil des Waldes. 1331 gelang es Graf Rainald II. von Geldern, die bis dahin verpfändeten Abschnitte des Reichswaldes – den Ober- und Niederwald sowie große Teile des Kelkt – vollständig zu erwerben.
Ausdehnung und Verwaltung im Spätmittelalter
Am Ende des 13. Jahrhunderts reichte der Wald noch von Nijmegen im Norden bis Grafenthal im Süden, im Westen bis Malden, Mook und Nergena und im Osten bis Beck, Groesbeek, Frasselt und Nütterden. Das Gebiet bestand aus dem Niederwald, Oberwald und dem Kelkt. Die Verwaltung lag bei den erblichen Waldgrafen, den Herren von Groesbeek, deren Lehen letztmals 1349 von Kaiser Karl IV. bestätigt wurde. Ab dem 15. Jahrhundert übernahmen geldrische Beamte die Verwaltung.
Herzog Reinald von Jülich-Geldern verpfändete 1418 große Teile des Reichswaldes an das Herzogtum Kleve – weitere Zahlungen folgten 1429 und 1440. Nach dem Dreißigjährigen Krieg erlaubte der Große Kurfürst im Jahr 1647 der Stadt Goch, zur Begleichung von Kriegsschulden rund 1.000 Morgen Wald zu verkaufen.
Reichswald im 20. Jahrhundert
Im Zweiten Weltkrieg wurde der Reichswald 1945 zum Schauplatz der „Schlacht im Reichswald“. Nach Kriegsende mussten große Flächen gerodet werden, um Wohnraum für Heimatvertriebene zu schaffen. Dabei entstanden die Orte Reichswalde (heute Stadt Kleve) und Nierswalde (heute Stadt Goch). Eine weitere gerodete Fläche, Rodenwalde, liegt in der Gemeinde Bedburg-Hau; dort entstand jedoch keine eigene Siedlung. An der Triftstraße zwischen Kleve und Goch erinnert heute ein kleines Denkmal an diese Nachkriegsrodungen.
Im Reichswald selbst befindet sich der Reichswald Forest War Cemetery – der größte Kriegsgräberfriedhof des Commonwealth in Deutschland.